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Sonntag, den 20.05.2012

Grabstätten sind Trauerorte

Trauerarbeit ist ein Prozess, der nicht mit dem Tag der Bestattung zu Ende ist. Viele Trauernde haben den Eindruck, dass diese Arbeit eigentlich erst danach beginnt. Der Friedhof, das Grab oder andere Trauerorte kommen in diesem Zusammenhang eine besonders wichtige Funktion zu.

Trauer braucht einen Ort

Kaum jemand denkt, wenn er die Pyramiden sieht, an eine Grabstätte – und doch ist sie eine. Menschen verschiedenster Epochen, Kulturen und Religionen haben Antworten auf die Frage gesucht: „Wie gehen wir angemessen und würdig mit einem Verstorbenen um?“ Gräber bilden neben den Siedlungen eine große Kategorie archäologischer Denkmäler. Es ist erstaunlich, wie sehr der Umgang mit den Toten die frühen Kulturen geprägt hat. Dabei gaben und geben die religiöse Regeln häufig vor, wie ein Verstorbener seinem Glauben entsprechend zu bestatten ist. Das Grab wurde dann im Lauf der Zeit in unserem Kulturkreis zum eigentlichen Trauerort für die Hinterbliebenen. Viele fühlen sich ihrem Verstorbenen an keinem Punkt näher als hier und bringen das durch sehr persönlichen Grabschmuck auch zum Ausdruck. Oft ist eine Grabstätte schon länger im Besitz einer Familie, der Grabstein nennt die Namen mehrerer Generationen. Dann kann dieser Ort über die Trauer hinaus zur Begegnung mit der Familiengeschichte, aber auch zum Nachdenken über die eigenen Wurzeln einladen.

Grabgestaltung, Grabstein und Grabpflege als Ausdruck der Liebe

Hinterbliebene suchen oft schmerzlich nach einem Weg, die Liebe zum Verstorbenen auch nach dessen Tod zum Ausdruck zu bringen. Auch hier kommt der Grabstätte besondere Bedeutung zu. Eine schöne Grabanlage, eine liebevolle Grabpflege und ein passender Grabstein können Ausdrucksformen dieser Liebe sein. Gleichzeitig wird es so für sehr viele Hinterbliebene leichter, den erlittenen Verlust zu realisieren und anzunehmen.

Baumbestattung und Friedwälder

Für Menschen, die sich zu Lebzeiten der Natur sehr nahe und verbunden gefühlt haben, kann die Bestattung der Urne am Fuß eines Baumes, eine sehr angemessene Form der Bestattung sein. Hierin werden auch Angehörige durchaus einen stimmigen Ort der Trauer entdecken können. Die Zahl von Friedhöfen, die diese Bestattungsart anbieten, wächst ebenso stetig an wie die Zahl der Friedwälder. Im Moment müssen Angehörige in vielen Fällen noch einen längeren Anfahrtsweg in Kauf nehmen.

Das Meer ein guter Trauerort?

Unter dem Gesichtspunkt der Trauerarbeit ist das eine wichtige Frage. Sie ist letztlich bei allen Bestattungen ohne eine feste Grabstätte zu stellen. Ist der gewählte Ort, in diesem Fall das Meer, auch ein Ort, der Trauer und Trauerarbeit zulässt? Eine nicht unbeträchtliche Zahl von Angehörigen vermisst später die Möglichkeit eines „Friedhofbesuches“. Um diesem Gefühl der Leere abzuhelfen, werden von manchen Seebestattern Fahrten zu den Koordinaten angeboten, an denen vorher eine Seebestattung stattgefunden hat. Auch Sammel-Gedenkfeiern etwa am Marine-Ehrenmal in Laboe bei Kiel werden mehrmals jährlich abgehalten. Ob diese „Alternativen“ ausreichen, um eine gute Trauer möglich zu machen, kann nur angefragt, nicht aber beantwortet werden.

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