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Grabstätten sind Trauerorte
Trauerarbeit ist ein Prozess, der nicht mit dem Tag der Bestattung zu Ende ist.
Viele Trauernde haben den Eindruck, dass diese Arbeit eigentlich erst
danach beginnt. Der Friedhof, das Grab oder andere Trauerorte kommen in
diesem Zusammenhang eine besonders wichtige Funktion zu.
Trauer braucht einen Ort
Kaum jemand denkt, wenn er die Pyramiden sieht, an eine Grabstätte – und
doch ist sie eine. Menschen verschiedenster Epochen, Kulturen und
Religionen haben Antworten auf die Frage gesucht: „Wie gehen wir
angemessen und würdig mit einem Verstorbenen um?“ Gräber bilden neben
den Siedlungen eine große Kategorie archäologischer Denkmäler. Es ist
erstaunlich, wie sehr der Umgang mit den Toten die frühen Kulturen
geprägt hat. Dabei gaben und geben die religiöse Regeln häufig vor, wie
ein Verstorbener seinem Glauben entsprechend zu bestatten ist. Das Grab
wurde dann im Lauf der Zeit in unserem Kulturkreis zum eigentlichen
Trauerort für die Hinterbliebenen. Viele fühlen sich ihrem Verstorbenen
an keinem Punkt näher als hier und bringen das durch sehr persönlichen
Grabschmuck auch zum Ausdruck. Oft ist eine Grabstätte schon länger im
Besitz einer Familie, der Grabstein nennt die Namen mehrerer
Generationen. Dann kann dieser Ort über die Trauer hinaus zur Begegnung
mit der Familiengeschichte, aber auch zum Nachdenken über die eigenen
Wurzeln einladen.
Grabgestaltung, Grabstein und Grabpflege als Ausdruck der Liebe
Hinterbliebene suchen oft schmerzlich nach einem Weg, die Liebe zum Verstorbenen auch
nach dessen Tod zum Ausdruck zu bringen. Auch hier kommt der Grabstätte
besondere Bedeutung zu. Eine schöne Grabanlage, eine liebevolle
Grabpflege und ein passender Grabstein können Ausdrucksformen dieser
Liebe sein. Gleichzeitig wird es so für sehr viele Hinterbliebene
leichter, den erlittenen Verlust zu realisieren und anzunehmen.
Baumbestattung und Friedwälder
Für Menschen, die sich zu Lebzeiten der Natur sehr nahe und verbunden
gefühlt haben, kann die Bestattung der Urne am Fuß eines Baumes, eine
sehr angemessene Form der Bestattung sein. Hierin werden auch
Angehörige durchaus einen stimmigen Ort der Trauer entdecken können.
Die Zahl von Friedhöfen, die diese Bestattungsart anbieten, wächst
ebenso stetig an wie die Zahl der Friedwälder. Im Moment müssen
Angehörige in vielen Fällen noch einen längeren Anfahrtsweg in Kauf
nehmen.
Das Meer ein guter Trauerort?
Unter dem Gesichtspunkt der Trauerarbeit ist das eine wichtige
Frage. Sie ist letztlich bei allen Bestattungen ohne eine feste
Grabstätte zu stellen. Ist der gewählte Ort, in diesem Fall das Meer,
auch ein Ort, der Trauer und Trauerarbeit zulässt? Eine nicht
unbeträchtliche Zahl von Angehörigen vermisst später die Möglichkeit
eines „Friedhofbesuches“. Um diesem Gefühl der Leere abzuhelfen, werden
von manchen Seebestattern Fahrten zu den Koordinaten angeboten, an
denen vorher eine Seebestattung stattgefunden hat. Auch
Sammel-Gedenkfeiern etwa am Marine-Ehrenmal in Laboe bei Kiel werden
mehrmals jährlich abgehalten. Ob diese „Alternativen“ ausreichen, um
eine gute Trauer möglich zu machen, kann nur angefragt, nicht aber
beantwortet werden.